Freitagspredigt 12.12.2014
 
Streben nach Wissen ist Pflicht für jede Muslimin und jeden Muslim

 بسم الله الرحمن الرحيم

قُلْ هَلْ يَسْتَوِى الَّذِينَ يَعْلَمُونَ وَالَّذِينَ لاَيَعْلَمُونَ


Verehrte Muslime!
Der Mensch ist das Wertvollste Geschöpf, das Allah erschuf. Damit der Mensch diesen Wert erhalten und  fortführen kann, ist das nur mit Wissenschaft möglich. Der Mensch, der sowohl für das Gute als auch für das Böse geneigt ist, kann sich durch Wissenschaft vom Bösen fernhalten und wird sich zum Guten wenden. Er wird somit ein dem Wohlwollen Allahs gefälliges Leben führen.  Er wird ein Leben führen, das Gottes Wohlgefallen erlangt.

Verehrte Muslime!
Unser allwissender, weiser und erhabener Herr Allah, hat uns die Wissenschaft zu einer obligatorischen Pflicht gemacht. Die Beschäftigung mit Wissenschaft gilt bei ihm als Gottesdienst. Jegliche Möglichkeit, die uns und der Gesellschaft Vereinfachungen bringt und Zufriedenheit verleiht, kann durch Wissenschaft erlangt werden. Technische Fortschritte sind die Frucht von wissenschaftlichen Arbeiten. Alle Neuigkeiten werden durch wissenschaftliche Bemühungen  erzielt. Die Wissenschaft und Wissenschaftler haben eine wichtige Stellung in unserer Religion. Mit dem Koranvers: „Sprich: Sind die Wissenden den Unwissenden gleich?“2 äußert der erhabene Allah die Überlegenheit derjenigen, die sich mit der Wissenschaft beschäftigen. 

Mit seiner folgenden Ermahnung verdeutlichte uns auch unser geliebter Prophet in der Person eines Gefährten die Bedeutung der Wissenschaft und sich mit Wissenschaft zu beschäftigen: „Sei entweder derjenige, der lehrt, oder derjenige, der lernt, oder derjenige, der zuhört oder die Wissenschaft liebt. Sei aber nicht jemand Fünftes, das dich ins Verderben führen wird.“3

Verehrte Muslime!
Unsere Religion fordert das Erlernen von allen möglichen Wissenschaften, ohne zu unterscheiden. Der Koran erzählt von der Erde, dem Himmel sowie den Feinheiten der Schöpfung und möchte, dass wir darüber nachdenken. In dieser Hinsicht haben sich unsere Vorfahren im Licht des Islam fortbewegt und sind Gründer oder Vorläufer von vielen Wissenschaften geworden. Bedauerlicherweise geben wir uns zur Erlangung von Wissen und zum Lesen leider nicht genug Mühe und teilen dafür keine Zeit ein. 

So wie wir uns für das Erlernen von Wissen um unser weltliches Leben zu verschönern bemühen, strengen wir uns jedoch nicht für das Erlernen von religiösem Wissen an. Eigentlich sollte das Erste, was ein Muslim erlernen sollte, der Koran und das katechetische Handbuch (ilmihal) sein. Egal, welches Amt wir bekleiden, welchen Posten wir besetzen oder welches Geschlecht wir haben oder wir Experte welchen Gebietes sind; sollten wir uns die Haupterkenntnisquelle (den Koran) und die fundamentalen Erkenntnisse unserer Religion aneignen. 

Verehrte Muslime!
Ohne zwischen Mann und Frau zu unterscheiden, hat unsere Religion, dessen erstes Gebot „LIES!“4 ist, beiden die Verantwortung des Erwerbs nach Wissen aufgetragen. Den ersten und vielleicht auch grundlegendsten wichtigsten Schritt der Erziehung verwirklicht die Frau. Wenn wir einen Mann erziehen, so wird eine Person gebildet; wenn wir aber die Frau erziehen, erziehen wir eine Familie und zugleich eine Gesellschaft. In dieser Hinsicht sind die Frauen die Architekten der Menschheitsgeschichte und auch die ersten Lehrerinnen der Familie. Es ist noch wichtiger, dass die Frau sich  Wissenschaften aneignet, da sie die Generationen erzieht, die die Menschheit braucht. Hierzu beleuchtet uns der geliebte Prophet: „Der Erwerb von Wissen(schaft) ist Pflicht für jede Muslimin und jeden Muslim.“5

Verehrte Muslime!
Unsere Kinder sind uns von Allah anvertraut. Daher müssen wir uns gesondert bemühen, dass sie eine gute Bildung genießen, neben ihrer Muttersprache die Landessprache des Landes in der sie leben aneignen und unbedingt einen Beruf erlernen. Neben der Unterstützung unserer Kinder für die erfolgreiche Gestaltung ihrer Zukunft, ist es einer unserer wichtigsten Aufgaben gegenüber unseren Kindern, dass wir ihnen behilflich sind, ihre religiöse Bildung zu genießen und nach islamischen ethischen Werten und Prinzipien erzogen werden. So hat der Prophet die Aufmerksamkeit in einem Hadith auf die Sicherstellung des materiellen und seelischen Glücks des Kindes gelenkt: „Die beste Hinterlassenschaft, die ein Vater seinem Kind je hinterlassen kann, ist guter Charakter und gute Erziehung.“6

Verehrte Muslime!
Ich möchte meine Predigt mit der Übersetzung des folgenden Hadith beenden: „Wer die Welt begehrt, möge sich an der Wissenschaft anklammern, wer das Jenseits begehrt, möge sich an der Wissenschaft anklammern; Wer sowohl das Diesseits als auch das Jenseits begehrt, möge sich an der Wissenschaft anklammern.“7


Huriye Akbıyık
Religionsbeauftragte Zentralmoschee München



1,2, Koran, az-Zümer, 39/9
3.    al-Fethu’l-Kebir, 1/204
4.    Koran, al-Alak, 96/1
5.    Ibn Madscha, al-Muqaddima, 17
6.    250 Hadithe, Diyanet V., s. 116; at-Tadsch’ul-Usul, Bd. 5, s. 8
7.    at-Tirmizi, Daavat, 68

 

 

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Letzte Aktualisierung: 13.08.2012