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| Freitagspredigt 17.05.2013 |
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Unsere Eltern
بِسْمِ اللّٰهِ الْرَّحْمٰنِ الْرَّحِيمِ
وَقَضَىٰ
رَبُّكَ أَلَّا تَعْبُدُوا إِلَّا إِيَّاهُ وَبِالْوَالِدَيْنِ إِحْسَانًا
إِمَّا يَبْلُغَنَّ عِنْدَكَ الْكِبَرَ أَحَدُهُمَا أَوْ كِلَاهُمَا فَلَا
تَقُلْ لَهُمَا أُفٍّ وَلَا تَنْهَرْهُمَا وَقُلْ لَهُمَا قَوْلًا
كَرِيمًا
Bismillāhirrahmānirrahīm
[Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen]
„Dein Herr hat verfügt, dass ihr
außer Ihm niemanden sonst anbeten sollt, und dass ihr gut seid zu euren
Eltern. Und sollte einer von ihnen oder beide bei euch ins hohe Alter
kommen, so sagt nicht „oh wei!“ zu ihnen (aus Verdruss) und scheltet sie
nicht. Seid ehrerbietig und gütig, wenn ihr mit ihnen redet.“
[Sure Isrā, Vers 23]
Verehrte Muslime,
dem Menschen ist vielerlei Verantwortung auferlegt. So hat er nicht nur
die Verantwortung, seinem Schöpfer zu dienen. Er hat auch die
Verantwortung zur Barmherzigkeit mit allen Geschöpfen. Alles Seiende auf
Erden, alle Lebewesen und sonstigen leblosen Wesen, sie alle sind der
Verantwortung des Menschen übergeben, ihm anvertraut. Umgekehrt haben
diese auch Rechte an uns. Selbst für kleinste Lebewesen wie die Ameise
tragen wir in diesem Sinne Verantwortung, selbst sie hat er dem Menschen
anvertraut, der Islam. Kann es da Wunder nehmen, dass auch die edelsten
Wesen für den Menschen, seine Eltern, ihm anvertraut sind? Dass es uns
strengstens untersagt ist, sie zu kränken? Dass wir sie mit Liebe und
Respekt zu behandeln haben?
Verehrte Brüder und Schwestern,
wenn der Mensch auf die Welt kommt, empfängt ihn hier als Erstes die
Barmherzigkeit seiner Mutter. Sie umhüllt ihn mit ihrer Liebe und
Zuwendung und lässt ihn in ihrem Schoß aufwachsen, bis dass er „Mensch“
wird. Von Seiner Barmherzigkeit, in die wir uns bei jeder Gelegenheit
mit der Basmala flüchten (denn so lautet hier eine Seiner
Wesenseigenschaften: Er ist rahīm, der Barmherzige), die stärkste Form
der Barmherzigkeit schenkte Er den Müttern. Und Er forderte den Menschen
auf, ebenfalls barmherzig zu sein mit den Eltern, wenn er nach Seinem
Wohlwollen trachtet: „Dein Herr hat verfügt, dass ihr außer Ihm
niemanden sonst anbeten sollt, und dass ihr gut seid zu euren Eltern.
Und sollte einer von ihnen oder beide bei euch ins hohe Alter kommen, so
sagt nicht „oh wei!“ zu ihnen (aus Verdruss) und scheltet sie nicht.
Seid ehrerbietig und gütig, wenn ihr mit ihnen redet.“ [1]
Dieser Vers gemahnt uns nicht nur der Barmherzigkeit und Güte gegenüber
den Eltern. Er führt uns auch vor Augen, welchen Stellenwert diese bei
Allah haben. Denn diese Güte, Allah fordert sie hier gleich nach Seinem
eigenen Recht ein!
Unser Prophet (saw) wies uns darauf hin, dass wir unsere Eltern wohl
stimmen, sie gut behandeln und ihr Wohlwollen erlangen müssen, wenn wir
Sein Wohlwollen zu erlangen suchen: „Das Wohlwollen Allahs suchet im Wohlwollen der Eltern und den Zorn Allahs wieder im Zorn der Eltern.“ [2]
Verehrte Muslime,
dabei ist das Ganze doppel-schneidig. Einerseits müssen wir alle unsere
Kinder auf die beste Art und Weise erziehen, ihnen diese Werte
beibringen. Gleichzeitig sind wir aber auch selbst Kind von Eltern. Und
so sollten wir uns alle so verhalten und unsere Eltern so behandeln, wie
wir selbst später behandelt werden wollen. Hier drin liegt unsere
Verantwortung. Denn erst eine Familie, in der die Kinder Liebe erfahren
und die Älteren respektiert werden, ist eine solche. Und erst eine
solche Familie wird dem Menschen ein Hort des Friedens und die beste
Schule für seine Erziehung sein.
Verehrte Gläubige,
unzählig sind die Mühen, die unsere Eltern aufwenden, um uns groß zu
ziehen. Kommen sie dann ins Alter, sollten wir uns in Geduld üben ob
ihrer Klagen und der Mühen, die das Alter mit sich bringen. Sie hatten
sich und ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse hintangestellt, als sie
uns groß zogen. Die vielen Mühen, die wir ihnen dabei bereitet haben,
geduldig gemeistert. Diese edlen Menschen, ihre Klagen sollten uns nun
nicht kränken. Wir dürfen nun nicht ungeduldig sein mit ihnen, uns gar
aufregen über sie. Dies sind wir ihnen schuldig.
Und mit dem Alter kommen manchmal auch die körperlichen Gebrechen und
das Unvermögen. Gerade wenn dies der Fall ist, dürfen wir sie nicht auch
noch mit dem Schmerz der Einsamkeit zurücklassen, sie verlassen! In
ihrem Lebensabend, wo sie der Wärme und der Sicherheit unter unserem
Dach am meisten bedürfen, dürfen wir sie nicht den kalten Wänden von
Heimen überlassen. Dies wäre nicht nur moralisch-ethisch eine Handlung,
die Gläubigen weniger ins Gesicht steht. Es würde uns auch nicht gerade
eröffnen Wege, um uns das Jenseits bzw. dann hier einen guten Ausgang zu
verdienen.
Wie abschreckend ist da folgender Hadis, mit dem die heutige Predigt an dieser Stelle enden soll: „‘Auf
den Boden mit seiner Nase! Auf den Boden mit seiner Nase! Und dann
wieder auf den Boden mit seiner Nase!“ sagte der Prophet. Seine
Gefährten fragten ihn: ‚Wen meinst du damit o Gesandter Allahs?‘ – ‚Den,
der das Alter eines seiner Elternteile oder beider erlebt und es nicht
schafft, in das Paradies zu kommen, weil er ihr Wohlwollen nicht
erlangen konnte!‘“ [3]
[1] Isrā, 17/23.
[2] Tirmizī, Birr, 3.
[3] Muslim, Birr, 9.
Ulviye Ezerbolatoğlu
Religionsbeauftragte der DITIB Zentralmoschee in Frankfurt |
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