Niedererbacher Kinder auf den Spuren der Kulturen
Zu Besuch in der Moschee: Kindergartenkinder aus
Niedererbach haben sich in dem neuen Gotteshaus in Limburg umgeschaut,
in das auch viele Muslime aus dem Westerwald zum Freitagsgebet kommen.
Niedererbach/Limburg. Gemeindevorsteher Hamdi Dündar zeigte den kleinen Besuchern und ihren Begleiterinnen den Gebetsraum der Moschee. Foto: Thies
«Die bunten Fenster sehen genauso aus wie bei uns in der Kirche.» Viele
Gemeinsamkeiten stellten die Kinder des Kindergartens «Rappelkiste» aus
Niedererbach fest, als sie gestern die Ditib-Moschee in Limburg
besuchten. Das muslimische Gotteshaus in der Blumenröder Straße wurde
vor etwas mehr als einem Jahr neu errichtet.
«Wir haben viele Handwerker in der Gemeinde. Fast alles haben wir selbst
gemacht», berichtete Hamdi Dündar, der Gemeindevorsteher, stolz. Er
erklärte, dass die Gebetsnische, in der der Imam steht und vorbetet,
nach Südosten, in Richtung Mekka ausgerichtet ist.
Sogar einen Muezzin gibt es. Allerdings ruft der nicht vom Minarett der
Moschee aus zum Gebet, sondern nur innerhalb des Gebäudes von einem
kleinen Bereich des Gebetsraums aus, der durch ein Mäuerchen symbolisch
abgetrennt ist. Hamdi Dündar berichtete, dass die Moschee, die über den
Ditib-Verein unter der Aufsicht der türkischen Religionsbehörde steht,
hauptsächlich von Türken besucht wird. «Aber wir haben auch einige
Marokkaner, Ägypter, Jemeniten und Menschen aus anderen Ländern hier»,
sagte Dündar. Die Gebetstexte werden nach moslemischem Ritus auf
Arabisch gesprochen, zum Gottesdienst gehöre allerdings auch eine Art
Predigt auf Türkisch.
Mehr als für diese Details begeisterten die Kinder sich aber für den
großen Gebetsraum, «wie eine Turnhalle», auf dessen weichen Teppich sie
ausgelassen tollen konnten. Im unteren Bereich beten die Männer und oben
auf einer Empore die Frauen. «Zu den Freitagsgebeten ist die Moschee
voll», erklärte Hamdi Dündar. Auch Kinder seien dabei. Sie nähmen
allerdings erst ab etwa 13 Jahren im vollen Umfang am Gebet teil. Die
Gläubigen kämen aus einem weiten Umkreis nach Limburg. Der Verein, der
als Träger der Moschee auftritt und die laufenden Kosten aus Beiträgen
und Spenden bestreitet, habe rund 200 Mitglieder.
Die bunt verzierten Wände mit goldfarbenen arabischen Schriftzeichen und
Ornamenten sowie die Kuppel mit ihrem riesigen Kronleuchter zog
staunende Blicke der Kinder und ihrer Betreuerinnen auf sich. Die
Besucher aus Niedererbach wurden auch durch den Raum für die Waschungen
vor dem Gebet, durch die kleine Teestube und den Schulraum der
Koranschule geführt. «Im Augenblick bauen wir noch einen Raum für unsere
Jugendlichen aus und auch für die jüngeren Kinder soll es einen eigenen
Raum geben», berichtete Hamdi Dündar über die weiteren Pläne für das
Gemeindezentrum im Erdgeschoss der Moschee.
Der Besuch fügt sich in einen Jahresplan der «Rappelkiste» ein, in dem
die Kinder die Länder und Kulturen besser kennenlernen, aus denen sie
alle kommen. Wenige Tage zuvor hatten sie die Kirche in Niedererbach
erkundet. vt (vt) |